Unsere Visionen für die Sozialwirtschaft von morgen

Wer einen so großen Bereich wie die Sozialwirtschaft revolutionieren will, der braucht eine ganze Reihe an Ideen, wie dieser in Zukunft eigentlich aussehen soll. Mit unseren Visionen zeigen wir, wie die soziale Arbeit sich verändern könnte und wie wir sie uns zukünftig vorstellen. Folgendes wollen wir anders machen:

Verkleidetes Kind

Wir setzen auf eine gute Bildung von Fachkräften

Damit die soziale Arbeit rundum gestärkt werden kann, brauchen wir eine gute Mischung aus lebenserfahrenen Menschen und jenen mit einer richtig tollen Persönlichkeit. Aktuell sind viele Menschen im Bereich der sozialen Arbeit tätig, die eigentlich nicht richtig dorthin passen. Unsere Vision ist deshalb, den Beruf nicht für jede*n zugänglich zu machen, sondern mit intensiven Persönlichkeitstests eine Vorauswahl zu treffen.

Aktuell sind Ausbildung und Studium oft zu theoretisch, sodass sie keine ausreichende Grundlage für die spätere praktische Arbeit bieten. Wir setzen uns daher für eine sehr gut vergütete, staatlich geförderte duale Ausbildung ein – nach einer pädagogischen Grundausbildung stellen wir uns anschließend Spezialisierungsmöglichkeiten für die verschiedenen Bereiche vor, etwa Kinder- und Jugendhilfe oder offene Arbeit. In der Ausbildung sollen Mitarbeitende mit Berufserfahrung und Berufsanfänger*innen zusammenkommen, außerdem sollen sie bereits während der Ausbildung mit Coachings und Weiterbildungen intensiver geleitet und begleitet werden. Statt uns darauf zu fokussieren, was die Mitarbeitenden früher gemacht haben, geht es uns viel mehr um Persönlichkeit, Lebenserfahrung, die eigene psychische Stabilität und Motivation.

Um eine wirklich gute pädagogische Rolle anzunehmen, braucht es ein analytisches Vorgehen, denn selbstverständlich müssen die Beobachtungen aus der Praxis auch theoretisch aufgearbeitet werden. Gleichzeitig sehen wir den Bedarf aber an einer inklusiveren Ausbildung für Menschen mit praktischem Know-how, die keine hervorragenden schriftlichen Kompetenzen mitbringen. Auch diese sollen im Bereich der sozialen Arbeit besser Fuß fassen können. Mit Lehrenden, die neben ihrer Lehrtätigkeit auch noch in der Praxis arbeiten, kann ein guter und vor allem praktischer Wissenstransfer erfolgen, der nicht immer an wissenschaftliche Arbeiten geknüpft werden muss. Genau so sieht für uns die optimale Ausbildung von Fachkräften in der Sozialwirtschaft aus.

Wir entwickeln eine Definition, was es eigentlich bedeutet, „Fachkraft“ zu sein

Eine Fachkraft ist für uns eine Person, die permanent an sich arbeitet, die psychisch stabil ist, sich selbst als Werkzeug sieht, eine gute Persönlichkeit mitbringt und ihr tägliches Tun als Hauptbestandteil ihrer Arbeit betrachtet. Eine Fachkraft geht tagtäglich professionelle Beziehungen ein und erlebt ihre Arbeit aktivierend, situativ und gestaltend. Das bedeutet, dass nicht jeder Schritt nach Lehrbuch, sondern vielmehr innovativ mit situationsbedingten Methoden erfolgt. Eine solche Mentalität lässt sich nur durch permanente Weiterbildung und Weiterentwicklung erreichen.

Eine Fachkraft sollte auch ihre Mimik und Gestik gezielt steuern können, um Kindern zu helfen sowie Situationen und Gefühle besser zu verstehen und mit diesen umgehen zu können. Im Gegenzug zu den Aufgaben der Fachkräfte sehen wir als Aufgabe der Arbeitgebenden, dass immer ein Fokus auf den Mitarbeitenden liegen sollte und diese dauerhaft gestärkt werden müssen, um selbst stabil zu bleiben – schließlich werden Fachkräfte in der sozialen Arbeit mit vielen negativen Eindrücken und Ereignissen konfrontiert.

Wir etablieren ein mitarbeitendenfreundliches Arbeitsumfeld

Zu so einem Fokus auf den eigenen Mitarbeitenden gehört für uns ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen gerne arbeiten. Schließlich nutzt es niemandem etwas, wenn perfekt ausgebildete Fachkräfte in ihrer Arbeit kaputt gemacht werden. Deshalb zählt für uns zu einem optimalen Arbeitsumfeld folgendes:

  • eine klare, planbare Vergütung nach dem TVöD
  • Supervision und Einzelvision für alle Mitarbeitenden in regelmäßigen 1:1-Situationen, um die Fachkräfte zu stärken und darin zu unterstützen, unterschiedlichste Situationen zu händeln und mit sich selbst im Reinen zu bleiben
  • die Abschaffung des Konkurrenzgedankens und stattdessen transparente Arbeits- und Leistungsbedingungen

Wir vertreten außerdem die Ansicht, dass das Unternehmertum im Bereich der Sozialwirtschaft stärker ausgeprägt werden darf. Aus unserer Sicht darf mit den Leistungen der sozialen Arbeit Geld verdient werden – jedoch immer unter der Voraussetzung größtmöglicher Transparenz und bestmöglicher Bedingungen für alle Seiten.

Wir arbeiten nach dem Prinzip der „Anerkennung von Lebensleistung“

In der Sozialwirtschaft ist der Mangel an qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden zu einem gewaltigen Problem geworden, denn ohne qualifizierte Pädagog*innen kann keine professionelle Arbeit geleistet werden. Nach unserem NEO Prinzip Personal werden unsere angestellten Pädagog*innen kontinuierlich betreut und begleitet, angeleitet, geschult und in kleinen Einrichtungen eingesetzt. In einem flexiblen und wertschätzenden Umfeld, mit einer Vielzahl an Möglichkeiten der fachlichen und persönlichen Weiterbildung.

Dabei entwickeln wir ein „5-1-5-BFD“-Geschäftsmodell, bei dem unsere Mitarbeitenden zunächst fünf Jahre in einem Bereich tätig sind, dann ein Sabbatjahr nehmen und anschließend nochmals fünf Jahre in einem anderen Bereich arbeiten. Parallel zu diesem Modell nehmen alle Mitarbeitenden an der Berufsförderung teil, sodass sie nach Abschluss der elf Jahre entweder bei der Ausbildung in einem neuen Beruf unterstützt werden oder in eine leitende Position wechseln können.
So könnte ein beispielhafter Karriereweg mit unserem BFD-Modell so aussehen:

  1. Eine Fachkraft arbeitet nach ihrer Ausbildung für fünf Jahre in einer Kita.
  2. Sie nimmt ein Sabbatjahr, das sie ganz frei gestalten kann.
  3. Daraufhin arbeitet die Fachkraft weitere fünf Jahre in einem Jugendheim.
  4. Anschließend wechselt zu einer Position im Jugendamt.
  5. Nachdem sie auch im Jugendamt einige Jahre Erfahrung gesammelt hat und beide Seiten der sozialen Arbeit kennt, kann sie nun in die leitende Position der Heimaufsicht als drittem Karrieresprung mit deutlich höherem Gehalt wechseln.

Mit diesem Modell stellen wir eine höhere Arbeitsqualität sicher, da wir weniger ausgebrannte Mitarbeitende in der sozialen Arbeit beschäftigen.

Wir stellen die Schuldbildung für alle hilfebedürftigen Kinder sicher

In Schleswig-Holstein leben rund 3.000 Kinder und Jugendliche in Heimen, die von Jugendämtern aus anderen Bundesländern in diesen untergebracht wurden. Somit unterliegen sie nicht der Schulpflicht und haben oft über Monate oder gar Jahre hinweg keinen Zugang zu Bildung. Nicht nur widerspricht das Artikel 14 des Grundgesetzes, einem Recht auf Bildung jedes Menschen, sondern lässt berufliche Zukunftsaussichten der Kinder gegen Null gehen.

Wenn man den Bereich der Kinderhilfe intensiv aufbauen will, ist es unmöglich, den Bereich der Schulbildung dabei zu missachten. Was es hier braucht ist verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um das Problem zu einem Thema mit gesellschaftlicher Relevanz zu machen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass aktive Sozialarbeiter*innen in Schulen tätig sind und Hilfestellungen für Lehrkräfte anbieten, die durch die Beschulung von Heimkindern durchaus mit Situationen im Schulalltag konfrontiert werden, auf die sie im Studium nicht vorbereitet wurden. Um mehr Inklusion zu leisten und hilfebedürftigen Kindern gerecht zu werden, müssen Schulen anders und besser ausgestattet werden. Nur so können alle Kinder und Jugendlichen ohne Hindernisse die Schule besuchen, sodass das Recht auf Bildung wieder gestärkt wird.

Wir etablieren ein Präventivsystem, damit der gesamte Bereich der sozialen Arbeit nicht länger vernachlässigt wird

Aktuell gibt es oftmals erst dann Hilfe, wenn bereits eine Diagnostik besteht, beispielsweise Legasthenie. Meist wäre es aber viel sinnvoller, schon dann Hilfe zu holen, wenn sich ein Problem erahnen lässt. Denn so könnte deutlich früher eingegriffen werden. Damit ein solches Präventivsystem möglich ist, müssen die Jugendämter gestärkt werden – sowohl in Bezug auf ihre Kompetenzen als auch ihre Arbeitsstunden. Das hieße etwa, Jugendämter in Sachen Personal anders auszustatten, sodass Mitarbeitende in ihrer Arbeitszeit nur Fälle bearbeiten, die tatsächlich in dieser Zeit geschafft werden können. Außerdem sind wir der Meinung, dass es auch in Jugendämtern unerlässlich ist, Fachkräfte mit umfangreicher Praxiserfahrung einzusetzen – genau das, was wir mit unserem BFD-Modell erreichen wollen.

Ebenso muss sich auch das Image von Jugendämtern wandeln, denn aktuell werden diese viel mehr als „schlechte Behörde“ denn als Hilfsorganisation angesehen, an die man sich vertrauensvoll wendet, wenn es Probleme gibt. Und zwar, bevor diese chronisch werden und beispielsweise medikamentös behandelt werden müssen oder die Unterbringung in einem Heim erfordern. Ein gutes Beispiel für ein funktionierendes Präventivsystem ist die Sozialraumorientierung in Nordfriesland. Hier werden den Trägern ausreichend Budgets zur Verfügung gestellt, um Familien mit Problemen zu unterstützen. Auch, wenn die konkrete Hilfe manchmal vielleicht ungewöhnlich ist, kann sie über dieses System abgedeckt werden.

 

Wir definieren die Rolle der Jugendämter

Die Jugendämter müssen dahingehend gestärkt werden, wirklich präventiv Hilfe leisten zu können. Denn die Gesellschaft wird durch die Arbeit der Jugendämter beeinflusst – das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Genau deshalb sollten in den Behörden die besten Pädagog*innen arbeiten. Es muss ein neues Führungsverständnis etabliert werden, das einen Fokus auf die Personalentwicklung und ausreichend Kapazitäten setzt. Die Weiterbildung, Anleitung und Unterstützung von Mitarbeitenden, wie sie in Wirtschaftsunternehmen stattfindet, sollte auch in Jugendämtern und Trägern Anwendung finden.

Wer im sozialen Bereich arbeitet, der ist tagtäglich negativen Erlebnissen, Leid und Grausamkeiten ausgesetzt – schließlich kommt das Jugendamt erst dann zum Einsatz, wenn es irgendwo schlecht läuft. Um diese Negativität aushalten zu können und deutlich mehr in eine gestalterische Arbeit zu kommen, muss die Arbeit in den Jugendämtern viel ertragbarer gemacht werden. Und zwar mit einer sehr guten Vergütung, einer realistischen Anzahl an zu bearbeitenden Fällen, mit Freiheiten bei der Entscheidungsfindung ebenso wie Freiheiten bei der Verwaltung von Budgets. Nicht die Kosten sollten bei Entscheidungen zu Hilfsangeboten in Jugendämtern im Vordergrund stehen, sondern die Wirkung. Schließlich kommt jeder Cent, der in gute Jugendhilfeangebote gesteckt wird, um ein Vielfaches zurück. Und genau dafür braucht es das entsprechende Budget und die Freiheit, sich für das bessere Angebot entscheiden zu können – nicht immer für das günstigste.

Wir entwickeln Ansätze, wie die stationäre Hilfe und die dazugehörige Gesetzgebung aussehen könnten

Damit die gesamte Jugendhilfe effizienter werden kann, muss das System immer weiterentwickelt und an vielen Punkten angepasst werden. Möglich wäre hier zum Beispiel ein Vergütungssystem, das etwa erfolgreiche Familienzusammenführungen finanziell belohnt. Oder ein flexibles Entgelt, das sich erhöht, wenn ein Platz in einer Einrichtung frei ist und niedriger wird, wenn dieser wieder belegt ist. Außerdem bedarf es viel mehr Mitspracherecht für die pädagogischen Kräfte.

In Sachen Gesetzgebung sehen wir Chancen darin, sich statt global mehr nach den Bedarfen in einzelnen Bundesländern zu richten und die Bundesgesetzgebung an die Länder abzugeben. Generell sollte der Fokus darauf liegen, die globalen Kinderrechte deutlich mehr zu stärken und die Eltern viel mehr in die Verantwortung zu nehmen. Genau dafür setzen wir uns ein. Aktuell haben die Eltern das Recht, ihre Kinder zu sehen – das bedeutet aber auch, dass Kindern das Recht verwehrt wird, umfassend vor ihren Eltern geschützt zu werden, und genau so etwas muss sich ändern. Deshalb muss die Mitarbeit der Eltern von Heimkindern zukünftig verpflichtend sein – und dazu sollte es auch passende Gesetze geben.
Auf Seiten der Jugendämter wollen wir uns außerdem für eine Stärkung der Amtsvormundschaften einsetzen, sodass freie Vormundschaften nicht mehr zugelassen werden – mit weniger Fällen und klareren Überprüfungen muss es zukünftig möglich sein, Vormundschaften immer staatlich zu regeln. Zusätzlich braucht es einen intensiveren Austausch zwischen Jugendämtern und Jugendhilfeeinrichtungen. Etwa durch gemeinsame Falldokumentationen und Absprachen, sodass beide Seiten aktiver am Prozess teilhaben können und ein wöchentlicher Austausch darüber stattfinden kann, wie es bei den Eltern auf der einen und den Kindern auf der anderen Seite läuft.

Wir richten uns nach den Werten der Gemeinwohlökonomie aus

Wer mit seiner Arbeit die Werte der Gemeinwohlökonomie verfolgt, der hat aus unserer Sicht jedes Recht, auch mit Angeboten für die Gesellschaft Geld zu verdienen. Voraussetzung dafür ist, dass die Qualität dieser Angebote stimmt. Und um diese zu messen, braucht es top Jugendämter und Aufsichtsräte. Staatliche Förderung sollte es zudem ausschließlich für wirklich transparente Systeme geben.

Als Gegenentwurf zum Kapitalismus verfolgt die GWÖ als ethisches Wirtschaftsmodell die Ansicht, dass die Ökonomie den Menschen und der Gesellschaft dienen muss. Nicht etwa, dass die Gesellschaft der Vermehrung des Kapitals dienen sollte. Damit steht das Wohl von Mensch und Umwelt an oberster Stelle. Gemessen wird dieses ethische Handeln anhand des Engagements für:

  • Menschenwürde
  • Solidarität
  • ökologische Nachhaltigkeit
  • soziale Gerechtigkeit
  • demokratische Mitbestimmung
  • Transparenz

In unserer Arbeit haben wir uns diesen Werten verschrieben, denn schließlich geht es uns bei NEO um ein ethisches Unternehmertum. Beispielsweise stehen auf dem Speiseplan in unseren Einrichtungen nur Bioland-Produkte aus der Region. Das bedeutet, die Kinder und Jugendlichen in unseren Wohngemeinschaften essen nur Fleisch von Rindern, die wir selbst kannten – so etwa legen wir Wert auf die ökologische Nachhaltigkeit unseres Unternehmens.