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Kinder- und Jugendhilfe neu gedacht

https://www.ihk.de/schleswig-holstein/ihk-magazin/fl-juli-2023-neo-familie-5851552 Artikel aus: IHK.de / Juli/August 2023 © IHK/Boye Pädagogik und Unternehmertum passen nicht zusammen? Benjamin Dehde aus Flensburg ist anderer Meinung. Mit der NEO Familie GmbH möchte er die Sozialwirtschaft revolutionieren.

Im Jahr 2021 gab der deutsche Staat laut statistischem Bundesamt rund 63 Milliarden Euro für die Kinder- und Jugendhilfe aus. „Diese hohen Ausgaben finden sich nicht in den Qualitätsansprüchen und gesetzlichen Anforderungen für Kinderheime wieder“, kritisiert Benjamin Dehde. Er will es besser machen. 2018 gründete er deshalb unter der NEO WG GmbH zwei Wohngemeinschaften. Gleichzeitig entwickelt er mit der NEOment gGmbH neue Konzepte für die Kinder- und Jugendhilfe. „Wir möchten das Wohl der Kinder in den Vordergrund stellen und orientieren unsere Arbeit ganz an ihren Bedürfnissen und an der Gemeinwohlökonomie“, so der Geschäftsführer. Dabei setzt er in seinen Wohngemeinschaften vor allem auf Partizipation und einen höheren Betreuungsschlüssel. „Auf acht Kinder kommen tagsüber vier Betreuer, zuzüglich Azubis. Im Großteil der Einrichtungen ist das Verhältnis von gleichzeitig diensthabenden Betreuern und Kindern ein bis zwei zu zehn“, erklärt er.

"Wir möchten das Wohl der Kinder in den Vordergrund stellen und orientieren unsere Arbeit ganz an ihren Bedürfnissen und an der Gemeinwohlökonomie Benjamin Dehde"

Um Ideen für neue Konzepte umzusetzen, setzen Dehde und sein Team auf wissenschaftliche, unabhängige Begleitung. „Wenn etwas funktioniert, möchten wir es anschließend frei verfügbar machen und eine Community aufbauen, um voneinander zu lernen“, sagt Dehde. Ein Projekt ist etwa die Elternakademie. „Über 40 Prozent der Eltern, deren Kinder in staatliche Inobhutnahme kommen, sind überfordert“, erklärt Dehde. „Da keine Betreuung die Liebe innerhalb einer Familie ersetzen kann, möchten wir die Eltern lieber befähigen und auf Prävention setzen. Inobhutnahme sollte der letzte Ausweg sein.“ Die Elternakademie bietet dafür Strategien und Hilfestellungen für werdende Eltern, Intensiv-Trainings bei zugespitzten, familiären Situationen und ein spezielles Hilfeprogramm bei einer bereits erfolgten Inobhutnahme des Kindes. Dem Geschäftsführer geht es dabei um den „Social Return of Investment“. „Uns interessiert, wie viel Geld wir der Gesellschaft langfristig sparen, wenn aus unseren Wohngemeinschaften Erwachsene herausgehen, die unsere Gesellschaft positiv mitgestalten.“ Um dauerhaft soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen, hat sich die NEO Familie vor drei Jahren der Gemeinwohlökonomie angeschlossen. „Wir achten auf Nachhaltigkeit in der Zulieferkette etwa bei der Versorgung in den Wohngruppen, investieren unsere Gewinne in soziale Projekte, fördern innerbetriebliche Mitentscheidung und Transparenz und leisten mit unseren Projekten einen Beitrag zum Gemeinwesen“, so der Geschäftsführer. Bei Benjamin Dehde und seinem Team stehen gute Pädagogik und nachhaltige Ideen im Vordergrund. Diese entwickelten sich nach seiner Erfahrung am besten, wenn sie mit unternehmerischem Handeln und einem gesamtgesellschaftlichen Blick verwirklicht würden. Aenne Boye






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